Wien gibt Gas. Startups, Crowdinvesting und erster deutschsprachiger SharkTank-Klon

20.12.2013
 

Berlin ist hip und derzeit DIE Stadt zum Gründen! Wien sieht aus wie im Märchen, die Wiener können angeblich alle jodeln, sind charmant und essen gern. Eher so die gemütlichen Freizeittypen eben. Stimmt nicht ganz, denn die Wiener Startup Szene gibt es und kann sich durchaus sehen lassen. Sie steht Berlin allenfalls in der Masse, nicht aber in der Qualität der Ideen um nichts nach. So zumindest mein Eindruck bei dem Diskussionsabend CrowdUp-FundUp veranstaltet von der Jungen Wirtschaft Wien Ende November.

©B.V.Ederer_Photosandmore.at_JW Crowd_61In Berlin wird alle 20 Stunden ein Internetstartup gegründet und die digitale Wirtschaft trägt für Berlin so viel Umsatz bei, wie die Tourismuswirtschaft. Wer wie ich in Berlin Mitte lebt, kann nur erahnen, dass digitale Unternehmen für Berlin bereits eine ordentliche Schlagkraft entwickelt haben müssen. Mit 400 Fachveranstaltungen im digitalen Sektor jedes Jahr kann Berlin sogar fast zur Ablenkung werden. Dagegen ist die Wiener Szene noch vergleichsweise jung: 73% sind Erstgründer und 70% sind noch in der Ideen- oder Seed/Frühphase.* Damit sind die Investitionssummen aus Venture Capital auch deutlich geringer als hierzulande. Das frühzeitige Schielen auf den gesamten deutschsprachigen Markt ist zudem entscheidend für österreichische Startups besonders wichtig, empfiehlt Österreichs bekanntester Business Angel Oliver Holle (CEO des Fonds Speedinvest) und vielgefragter Mann an dem Abend in Wien. Der deutsche Markt ist einfach der nächst größere und daher fürs Wachstum entscheidend.

Öl in die zarte Startup-Flamme gießt ein Gesetz in Österreich, das seit Juli 2013 die Untergrenze der Prospektpflichtgrenze von 100.000 € auf 250.000 € anhob. Damit gewinnt vor allem die noch junge Crowdinvesting Community in Österreich Schub und für sehr frühe Startups eine erste Finanzierungsgrundlage. Daniel Horvath, Geschäftsführer von Conda, der ersten Crowdinvesting-Plattform in Österreich seit diesem Jahr, freut sich sehr über den gewonnen Spielraum. Anders als bei deutschen Plattformen setzt Conda bereits in einer Phase an, in der Prototypen ausgereift, aber erste Umsätze noch fehlen und die Startups daher für den klassischen Business Angel schlichtweg noch zu heiß sind.

©B.V.Ederer_Photosandmore.at_JW Crowd_26Bearbeitet

Neben Geld bringt das Crowdinvesting vor allem Reichweite, PR und letztlich Leads. Conda hat sich in der Medienlandschaft schlau platziert. Noch so jung, aber mit eigenem TV Spot und Kooperation mit dem österreichischen ProSiebenSat1-Ableger Puls4 schleust die Startups sogar in den lokalen SharkTank  „2 Minuten 2 Millionen“. Das Prinzip: Startups pitchen vor einer  fünfköpfigen Jury und bekommen idealerweise ein Finanzierungsangebot. Das toppt die übliche Reichweite solcher Plattformen via Social Media um ein vielfaches.

Die entscheidende Frage an mich an dem Abend:

Wie läuft Frühfinanzierung und insbesondere Crowdinvesting in Deutschland ab und wie gestalte ich eine erfolgreiche Kampagne?

 

Entscheidend zu wissen ist, dass die Crowd viel emotionaler als rein finanziell motivierte Investoren agiert. Wird die Idee verstanden, ist das Team sympathisch oder ist das Produkt am besten gleich ausprobierbar, entscheidet oft über ein Investment. Ein B2C Produkt hat dabei grundsätzlich bessere Chancen haben, als eine komplizierte B2B Anwendung. Am Beispiel der Rekordkampagne Wonderpots auf Companisto diesen Spätsommer wird deutlich, dass das Gesamtpaket stimmen muss:

  • Einfache Messages: „Mit 50 T€ Invest können wir 1 neuen Store eröffnen“
  • Emotionalisierend, nicht nur im Video: „Wir sind die charmante, liebevolle und deutsche Antwort auf Pinkberry“
  • Gutes Timing: Im Spätsommer hat noch jeder das Eisgefühl im Mund
  • Produkt verständlich und erlebbar: Das Frozen Yogurt Business verstehen die meisten Menschen besser als eine erklärungsbedürftige Techlösung mit eng gefasster Zielgruppe
  • Marketing, PR und Social Media Reichweite: Wonderpots hatte damals im September schon weit mehr als 6000 FB Fans, viele VIP Referenzen und gute PR (Allein 6 Artikel während der Kampagne von einer Woche)
  • Supporter: Hohe Investments verschaffen Momentum besonders zu Beginn und geschickt gesetzt auch während der Kampagne. Mobilisiert dabei euer eigenes Netzwerk

Doch bevor eine Kampagne startet, solltet Ihr als Gründer kritisch bewerten, ob Ihr überhaupt zeitliche Kapazitäten dafür frei machen könnt. Eine Kampagne ist kein Selbstläufer und erfordert viel Aufmerksamkeit: Die Vorbereitung des Videos, Erstellung der Kampagnentexte, Management der Fragen aus der Crowd, PR Management, Social Media Befeuerung und aktive Netzwerkarbeit. Wenn ihr das leisten könnt, liefert euch Crowdinvesting nicht nur Finanzierung, sondern die Aufmerksamkeit von tausenden potenziellen Neukunden.

Wie gesagt, beim Thema Reichweite können deutsche Crowdinvesting Plattformen noch aufholen. Hier können wir ausnahmsweise mal auf Österreich schielen: Die Show „2 Minuten 2 Millionen“ erreicht rund 100.000 Zuschauer jede Woche. Selbst wenn keine Investments getätigt werden, ist die Sendung eine tolle Möglichkeit, das Gründen in der Gesellschaft populärer und erstrebenswerter zu machen. Längst überfällig in Deutschland.

* Der Frühphasen-VC Speedinvest interviewte 2013 mehr als 500 Startup Gründer, Investoren oder Gründungsagenturen in „5 facts on the Austrian Startup Ecosystem“

 

Mein Vortrag bei CrowUp-FundUp am 26.11.2013:

Erfolgsfaktoren Crowdinvesting in Deutschland from Jana Scharfschwerdt
Veranstaltungsbilder: ©Barbara.V.Ederer, www.photosandmore.at
Titel: © A. Karnholz – Fotolia.com
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